Klartext von Kovac beim Wolfsburger Rätselraten

  • 4. September 2022

Beitrag auf faz.net von Christian Otto

Unter dem neuen Trainer Niko Kovac verliert Wolfsburg gegen Köln und hat damit keines von fünf Spielen in der Bundesliga gewonnen. Nun gibt es einige Fragen und eine scharf geführte Debatte.

Böse Fragen bahnten sich ihren Weg. Muss man sich Sorgen um den VfL Wolfsburg machen? Fehlt es seinen Profis an den für ihren Beruf nötigen Grundtugenden? Der Wolfsburger 2:4-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln folgten ziemlich scharfe Debatten. „Es ist unerklärlich. Wir machen zu viele Fehler“, sagte VfL-Kapitän Maximilian Arnold.

Sein neuer Trainer redete noch mehr Klartext: „Wir müssen uns alle hinterfragen, ob das, was wir leisten, ausreicht“, sagte Niko Kovac. Unter seiner Regie ist der VfL Wolfsburg nach fünf Spieltagen der Fußball-Bundesliga immer noch sieglos. Kovac vermisste im Duell mit den bissigen Kölnern die nötige Bereitschaft, Zweikämpfe zu führen und den Gegner unter Druck zu setzen.

Zwei Wolfsburger Toren von Lukas Nmecha standen ein Eigentor von Paulo Otavio und drei Kölner Treffer durch Dejan Ljubicic, Florian Kainz (Elfmeter) und Sargis Adamyan gegenüber. Warum? Weil das Auswärtsteam als Einheit überzeugte. Und weil beim VfL weder die Laufwege noch das Spieltaktische stimmten. Seit Saisonbeginn sucht Kovac mit dem VfL Wolfsburg nach einer stabilen Grundformation.

Was während des Spiels nicht gelingen will, setzt sich nach Spielende fort. Als sich die Mannschaft in Richtung Fankurve bewegte, sah das erst sehr zögerlich aus und wurde dann auch noch schnell abgebrochen. Arnold und Co. konnten ihre Enttäuschung nicht verbergen. Und der Laufweg von Kovac führte ihn nach dem Abpfiff – abgesehen von ein wenig Händeschütteln – schnell weg aus dem Innenbereich des Stadions.

Simple Formel: du oder ich?

Was den VfL Wolfsburg auf dem Weg zu einer Besserung bremst, ist eine merkwürdige Lethargie. Dank Kovac sollte am Ufer des Mittellandkanals eigentlich druckvoller und dynamischer Fußball gespielt werden. Im Duell mit den einsatzfreudigen Kölnern war dieses Vorhaben nach nur wenigen Minuten schon wieder gescheitert.

Und es kam kein Führungsspieler in Sicht, der mit Wucht, Aggression oder sonst einem Stilmittel für einen Umschwung hätte sorgen können. Der Trainer wünscht sich jene Zweikampfhärte und beinharte Duelle, die er und sein Bruder Robert als Spieler bevorzugt hatten. Du oder ich? Auf diese simple Formel bringt Kovac, worum es ihm bei Fußball geht. Dummerweise gelingt es seinem Team nicht, dem zu folgen.

Erschreckend früh in der Saison 2022/23 fällt es in Wolfsburg schwer, Ruhe und Gelassenheit zu bewahren. Der harte Kern der Fans beginnt bereits damit, enttäuscht zu pfeifen. Der Trainer findet, dass eine Besserung verdammt schnell gelingen müsse. Und die Sportliche Leitung möchte, dass die unerklärlichen Fehler im Spielaufbau sowie beim Verteidigen erklärbar werden.

„Wir müssen hart daran arbeiten, dass wir als Gruppe funktionieren“, fordert der Wolfsburger Sportdirektor Marcel Schäfer. Ob das in erster Linie ein Appell an die Spieler oder den neuen Trainer ist, bleibt offen. Schäfer beteuert, dass Kovac in Wolfsburg sehr fest im Sattel sitze. Dem Nachfolger von Mark van Bommel (im Oktober 2021 entlassen) und Florian Kohfeldt (im Mai 2022 entlassen) wird demons­trativ der Rücken gestärkt.