Kaffee und Tore

  • 25. April 2022

Beitrag in der FAZ

Köln liefert die nächste Show, Bielefeld taumelt

r.z. KÖLN. Nach seinem 17. Saisontor zum 2:1 für den 1. FC Köln (43. Minute) sah Anthony Modeste die Gelegenheit gekommen, nicht nur für sich, sondern auch für einen Kaffee mit ihm als Testimonial zu werben. also schnappte sich der 34 Jahre alte Mittelstürmer mit dem Hang zur großen Geste ein neben dem Bielefelder Tor liegendes weißes Päckchen mit seinem Konterfei und inszenierte einen fürs erste kostenfreien Werbemoment, in dem er sein in Supermärkten käufliches Kaffeeprodukt in die Kameras hielt – mitten in einem Bundesligaspiel. Ein kommerzieller Auftritt in eigener Sache, der ein Nachspiel hat. Der Kontrollausschuss des deutschen Fußball-Bundes nimmt Untersuchungen auf, wie am Sonntag bekannt wurde. Steffen Baumgart, der Trainer des in der Kunst der Selbstdarstellung geübten Franzosen, hatte am Samstag, umgangssprachlich gesagt, eher den „Kaffee auf“, als er Modestes extraauftritt kommentierte: „Es ist immer dünnes Eis im Fußball. Du darfst nicht überdrehen. sonst kriegst du es meistens, so habe ich es kennengelernt, vor die Fresse. Es ist so, dass man auf dem Teppich bleiben und klar bleiben muss.“

Der attackierte Angreifer, der mit seinem Brillen-Jubel nach eigenen Toren das ikonische Bilderbuch der Bundesliga bereichert hat, gab sich dagegen nach dem 3:1-Sieg über Arminia Bielefeld wie die Unschuld vom Lande. Seine selbstreferenzielle Aktion erklärte er zur gemeinnützigen tat. „es war ein kleines Dankeschön für die Leute, die mich immer unterstützt haben“, sagte er über seinen Mix aus Fußballgala und PR-Show an diesem Samstag der hellen Vorfreude in dem mit 50 000 Zuschauern ausverkauften Kölner Stadion. Mit dem Erfolg über Arminia Bielefeld, das auch unter dem neuen Cheftrainer Marco Kostmann als Nachfolger des entlassenen Frank Kramer seit rund zwei Monaten mit nun sieben Niederlagen und einem Remis sieglos blieb, bekräftigten die Rheinländer ihre europäischen Ambitionen. Die Treffer des diesmal besten Kölners Mark Uth (3.), von Modeste und Jan Thielmann (86.), denen ein Eigentor von Innenverteidiger Timo Hübers gegenüberstand (31.), kamen einem weiteren Statement gleich. Entsprechend losgelöst war die Stimmung auf den Rängen, auch wenn Baumgart diesmal mahnte: „Bielefeld war in ein paar Situationen näher am 2:2 als wir am 3:1. Man sieht, dass die Jungs in der ein oder anderen Situation überlegen und sich dadurch das Leben schwerer machen.“

Ein Problem, mit dem auch Kostmann zu kämpfen hat. der vom Torwartcoach zum Cheftrainer beförderte Mecklenburger Landsmann von Baumgart sah bei seinen Profis mehr „Engagement und Spielmut“ als zuletzt, musste aber auch registrieren, dass die Abwehrkräfte, voran Nilsson und Pieper, bei den ersten beiden Gegentoren zu weit weg von ihren Gegenspielern standen. Eine Woche vor dem über Wohl und Wehe des Abstiegskandidaten entscheidenden Spiels gegen Hertha BSC war die Stimmungslage gedrückt. Torwart Stefan Ortega Moreno sagte, was viele beteiligte dachten: „Es war zwar eine vernünftige Leistung, aber in den entscheidenden Momenten waren wir einfach nur naiv. ehrlich gesagt, ich könnte kotzen.“