Der schon totgeglaubte 1. FC Köln schießt sich kurz vor dem Abpfiff in die Relegation

  • 23. Mai 2021

Beitrag in der WELT AM SONNTAG

Wer noch nicht wach war rund um die Arena im Kölner Stadtteil Müngersdorf, erhielt die akustische Einstimmung beim Eintreffen der Mannschaft. Als der Teambus vorfuhr, zündeten einige heimische Fans am Stadion Böller. Bloß nichts unversucht lassen im dramatischen Abstiegskampf, so dürfte die Motivation der seit jeher leidensfähigen Kölner Anhänger gelautet haben. Drinnen stand Sportchef Horst Heldt auf dem Spielfeld und gab über seine Gefühlslage Auskunft. Für alle Beteiligten sei das nun schon seit Monaten vorherrschende Ringen um den Klassenverbleib sehr intensiv und aufreibend. „Wir wollen natürlich versuchen, heute über den Strich zu kommen“, erklärte Heldt. „Die Mannschaft ist gut vorbereitet.“

Über den Strich kommen – damit war vom Sportchef die durchaus direkte mögliche Rettung gemeint. Ein Sieg über den bereits abgestiegenen FC Schalke 04 und das zeitgleiche Zutun der Bremer und Bielefelder – und der rheinische Traditionsverein wäre als 15. auch in der kommenden Saison erstklassig. In der Partie indes war von der erwarteten couragierten Gangart der Hausherren zunächst gar nichts zu sehen. Köln zeigte – wie zuletzt allzu oft – große Probleme beim Spielaufbau. Und das, obwohl Kapitän Jonas Hector nach einer Fleischwunde am linken Knöchel wieder startklar war und im Mittelfeld des FC auflaufen konnte. Doch außer beim Ex-Nationalspieler war kaum noch spielerische Klasse zu sehen. Das änderte sich erst nach der Pause. Da kamen die Kölner zu Chancen – und nach zwei vergebenen Möglichkeiten durch Hector und Marius Wolf auch zum 1:0. Sebastian Andersson traf nach einem Freistoß (70.). Doch der Jubel der FC-Profis hielt nur kurz. Schiedsrichter Daniel Siebert schaute sich die Situation nochmals auf dem Videobildschirm an und wertete einen leichten Block von Salih Özcan vor dem Tor als regelwidrig. Eine umstrittene Entscheidung.

So sollte es bis zur 86. Spielminute dauern, ehe es nichts auszusetzen gab an der Kölner Führung. Abwehrchef Sebastiaan Bornauw traf per Kopf und feierte zehn Minuten später nach dem Schlusspfiff mit den Kollegen. In der Relegation hat das Team von Friedhelm Funkel nun die Chance, sich endgültig zu retten. „Es war nicht mehr so schwierig, ihn zu machen“, sagte der Schütze des goldenen Tores später, während Funkel einfach nur froh war. „Das hat Nerven gekostet. Wir brauchten dieses verdammte Tor, um uns die Möglichkeit zu erhalten, in der Bundesliga zu bleiben“, so der Coach.