Wolfsburg hadert lange und jubelt doch

  • 6. April 2021

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Nach einer schwachen ersten Hälfte und viel Aufregung beim Trainer gewinnt der VfL Wolfsburg die Partie noch 1:0. Die Kölner Abstiegssorgen werden derweil immer größer.

Für den 1. FC Köln und seinen Trainer Markus Gisdol wird es im Kampf gegen den Abstieg in der Fußball-Bundesliga immer enger. Trotz überzeugender erster Halbzeit verlor der Tabellen-16. am Samstag mit 0:1 (0:0) beim Champions-League-Kandidaten VfL Wolfsburg. Der Absturz auf einen direkten Abstiegsplatz blieb den Kölnern zwar noch einmal erspart. Nach dem Unentschieden der beiden direkten Konkurrenten Mainz und Bielefeld trennt den FC aber nur noch die knapp bessere Tordifferenz von der Arminia auf Rang 17.

Auf der anderen Seite verschaffte der Siegtreffer von Josip Brekalo in der 69. Minute Wolfsburg vor den schweren Spielen gegen Eintracht Frankfurt, Bayern München, VfB Stuttgart und Borussia Dortmund einen stattlichen Vorsprung auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz. Zwischen dem Tabellendritten Wolfsburg und dem Fünfte Dortmund liegen jetzt schon elf Punkte. Die Wölfe hatten vor allem in der ersten Halbzeit große Probleme mit den Kölnern, kämpften sich aber in dieses Spiel hinein. Bester Beleg dafür war die spielentscheidende Aktion von Wout Weghorst, der das Tor von Brekalo noch beim Hinfallen vorbereitete.

„Eine richtig dreckige Niederlage für uns, wenn man sieht, wie das Tor fällt, ist das eine bittere Niederlage. Wir haben in der ersten Halbzeit Wolfsburg deutlich vor Probleme gestellt. Jetzt fahren wir trotzdem mit Nichts nach Hause“, sagte Köln-Abwehrspieler Rafael Czichos später bei Sky. Der Wolfsburger Maximilian Arnold bediente sich einer ähnlichen Analogie: „Das war ein richtig dreckiger Sieg. Wir haben in der Halbzeitpause sehr deutliche Worte gefunden, so konnten wir nicht weiter Fußball spielen. Wenn man oben steht, schießt man dann so ein Drecksding rein.“

Glasner schimpft an der Linie

Die große Frage nach dieser Partie ist nun, was aus FC-Trainer Markus Gisdol wird. Denn Geschäftsführer Horst Heldt gab dem 51-Jährigen schon vor der Länderspielpause nur eine Jobgarantie für das jeweils nächste Spiel. Allerdings taten die Kölner Spieler am Samstag zumindest eine Halbzeit lang alles dafür, um die Position ihres Coaches zu stärken. Nach dem überzeugenden 2:2 gegen Dortmund setzte der Abstiegskandidat diesmal dem nächsten Spitzenteam enorm zu.

In der 14. Minute traf Kapitän Jonas Hector nur die Latte des Wolfsburger Tores. So nah kam der Favorit einem möglichen Führungstor in der gesamten ersten Halbzeit nicht. In der Defensive ließen die Kölner den Wolfsburgern kaum Räume. In der Offensive kamen sie über die Außenpositionen mehrfach zu gefährlichen Aktionen.

Welchen Frust der FC mit dieser hartnäckigen Spielweise beim Gegner erzeugte, war am besten an den Regungen des Wolfsburger Trainers Oliver Glasner abzulesen. Deutlich häufiger als sonst tauchte der Österreicher laut schimpfend an der Seitenlinie auf. Nach dem Halbzeitpfiff blieb er aber zunächst länger auf seiner Bank sitzen.

Was auch immer Glasner danach in der Kabine sagte: Es zeigte Wirkung. Denn der VfL spielte in der zweiten Hälfte zielstrebiger und druckvoller und steigerte sich auch deutlich bei seiner Kernkompetenz, der Balleroberung. Die Kölner kamen kaum noch aus der eigenen Spielhälfte heraus. Für sie sprach jedoch, dass sie auch weiterhin kaum klare Wolfsburger Torchancen zuließen – von Brekalos Siegtreffer einmal abgesehen.

Gisdol wechselte danach die Offensivspieler Sebastian Andersson, Florian Kainz und Emmanuel Dennis ein, von denen Kainz in dieser Saison noch gar nicht und Andersson zumindest in den vergangenen dreieinhalb Monaten nicht mehr zum Einsatz gekommen war. Und zumindest eines dieser beiden Comebacks nach langen Verletzungspausen hätte sich beinahe noch ausgezahlt. In der fünften Minute der Nachspielzeit ermöglichte eine Flanke von Kainz dem Tunesier Ellyes Skhiri noch die große Chance zum Ausgleich.