Erleichterung nach einem Jahr

  • 31. Januar 2021

Beitrag auf sueddeutsche.de von Philipp Selldorf

Mit einem 3:1 gegen Arminia Bielefeld verschafft sich der 1. FC Köln Vorteile im Abstiegskampf. Der erste Heimsieg seit zwölf Monaten ist auch ein Lohn für kluge Zurückhaltung.

Fast ein ganzes Jahr hat der 1. FC Köln auf einen Bundesliga-Heimsieg warten müssen, am Sonntag um 17:25 Uhr war es so weit. Das 3:1 gegen Arminia Bielefeld beendete nicht nur eine unselige Serie, sondern verschaffte auch wichtige Vorteile gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Nebenbei überholten die Kölner mit dem verdienten und selten gefährdeten Erfolg sogar die Berliner Hertha und rückten auf Rang 14 vor. Ein Jahr ohne Heimsieg: „Diese Statistik hat sich erledigt“, sagte hinterher der Trainer Markus Gisdol. „Das ist schon eine Erleichterung. Jeder von uns hatte es satt, diese Frage zu beantworten.“

Außer einem neuen Rasen hatte der FC pünktlich zu dieser bedeutsamen Begegnung auch zwei neue Spieler ins Geschehen eingeführt. Der Rasen bewährte sich auf Anhieb durch seine gesunde Farbe und Beschaffenheit, die beiden Zugänge kamen weniger wirksam zur Geltung. Mittelfeldspieler Max Meyer nahm mit den anderen Ersatzkräften, darunter Kapitän Jonas Hector, auf der Tribüne Platz, Angreifer Emmanuel Dennis bezog Position in der Angriffsmitte und erlebte sein Debüt vorwiegend als passiver Beobachter. Die Mitspieler hatten ihn noch nicht in ihr Navigationssystem aufgenommen und verschafften ihm kaum einmal Gelegenheit zur Teilnahme. Seine wenigen Ballkontakte blieben auffallend fruchtlos, bis zur ersten gelungenen Aktion vergingen 50 Minuten.

Der FC war jedoch nicht auf die Dienste einer Sturmspitze angewiesen. Aus ihrer doppelt und dreifach gesicherten Deckung entwickelten die Kölner einen streng dosierten Angriffsdrang. Sie gingen mit einer Zurückhaltung vor, als ob das Spiel nicht in Müngersdorf, sondern auf der ausverkauften Alm in Ostwestfalen stattfände. Der Verlauf der ersten Halbzeit gab ihrer Methode recht. Sie überließen Bielefeld den Ball sowie das neu tapezierte Spielfeld und versuchten, bei Ballgewinn über ihre Außenspieler schnell nach vorn zu kommen. Ismail Jakobs auf der linken und Marius Wolf auf der rechten Seite waren dazu die geeigneten Protagonisten, beide hatten einen guten Tag erwischt. Ondrej Duda koordinierte das Geschehen aus der Tiefe.

Erinnerungen ans Kinderzimmer: Die Technik von Torschütze Wolf gleicht der einer Tipp-Kick-Figur

Auch der Spielverlauf kam den Kölnern entgegen. Das frühe 1:0 für die Hausherren forderte die Bielefelder zusätzlich zum Angriff heraus. Torschütze Wolf hatte von Stefan Ortegas starker Reaktion nach einem Kopfball von Ellyes Shkiri profitiert. Der Torwart wehrte den Ball zwar noch heldenhaft zur Seite ab, legte ihn damit aber geradewegs für Wolfs Nachschuss auf (9. Minute). Auch beim 2:0 war die kostspielige Leihgabe von Borussia Dortmund der Urheber. Es war ein Tor, das manchen Zuschauer an vergangene Tage im Kinderzimmer denken ließ. Wolfs unkonventionelle Schusstechnik erinnerte an die Mechanik einer Tipp-Kick-Spielfigur (28.). „Wir reden immer von einem Sechs-Punkte-Spiel. Das war so eines. Wir müssen jetzt genauso weitermachen“, sagte Wolf hinterher.

Die Bielefelder hatten nicht unbedingt schlechter gespielt als der FC, aber sie hatten es an der Entschlossenheit und Effizienz des Gegners vermissen lassen. Von der Kreativität ihres Trumpfspielers Ritsu Doan konnten sie selten Gebrauch machen. Als sie sich dann mal durch die dichte Deckung gespielt hatten, verpasste Reinhold Yabo den Anschlusstreffer vor der Pause. Den zweiten Durchgang gingen die Kölner mit erkennbar gehobenem Selbstwertgefühl an, defensiv hatten sie die Lage im Griff, offensiv bewährte sich das alte Rezept. Das 3:0 ließ nur eine Viertelstunde auf sich warten. Nach Skhiris Steilpass machte Dennis alles richtig – er ließ den Ball für Elvis Rexbecaj passieren, der frei zum Abschluss kam. Zumindest ein halber Assistenzpunkt für den Neuling.

Die Arminen bewahrten Haltung und setzten ihre Anstrengungen fort. Es reichte aber nur noch zum 1:3 durch Sergej Cordova. Für mehr Spannung konnten sie nicht mehr sorgen.