Für Köln kann Karneval kommen

  • 2. Februar 2020

Beitrag auf faz.net von Daniel Theweleit

Fünfter Sieg im sechsten Spiel: Der 1. FC Köln befreit sich mit einem weiteren Sieg aus der ärgsten Not. Freiburg hadert wegen eines verweigerten Elfmeters.

Es ist eine wahrlich imposante Serie, die der 1. FC Köln nun in den Wochen rund um die Winterpause erspielt hat. Das Publikum feierte beim am Ende erstaunlich lockeren 4:0 (1:0) gegen den SC Freiburg den fünften Sieg im sechsten Spiel seit Mitte Dezember. Der Abstand zum Relegationsplatz kann beinahe schon als beruhigend empfunden werden, Karneval kann kommen. „Wir sind sehr gut drauf. Wir haben ein Mittel gefunden, wie wir uns in der Liga behaupten. So gewinnen wir die Spiele“, sagte Dominick Drexler. Und der SC Freiburg scheint doch nicht die Kraft zu haben, dauerhaft mit den Klubs aus dem oberen Tabellendrittel mitzuhalten. „Ein ganz schlechtes Spiel“, bekannte der Breisgauer Lucas Höler. „Wir hatten uns viel vorgenommen für die zweite Halbzeit und haben nach dem 0:2 aufgemacht. Da kann so etwas passieren“, sagte er im TV-Sender Sky. „Nun müssen wir wieder punkten, sonst rutschen wir unten rein.“

Nur zu Beginn spiegelte das Spiel die Tabellensituation ganz gut wider. Vielleicht auch aufgrund der deutlichen 1:5-Niederlage in Dortmund aus der Vorwoche brauchte der FC einige Minuten, um sich zu finden, und der SC Freiburg agierte trotz der jüngsten Niederlage gegen den SC Paderborn zu Beginn erstmal sehr selbstbewusst. Nach fünf Minuten hatte die Mannschaft von Trainer Christian Streich eine erste richtig gute Möglichkeit: Manuel Gulde köpfte nach einer Ecke an die Latte (5.).

In dieser Phase gelangen dem SC Freiburg immer wieder gute Balleroberungen rund um die Mittellinie, doch je näher das Kölner Tor rückte, desto unpräziser wurde das Spiel der Breisgauer, so dass aus den guten Situationen kaum Torgefahr entstand. Und so entwickelten die Kölner die Kraft, die zur vielleicht größten Stärke der Mannschaft nach der Entlassung von Trainer Achim Beierlorzer und der Einstellung von Nachfolger Markus Gisdol wurde: Der FC begann Zweikämpfe zu gewinnen, mit Effizienz den Spielaufbau des Gegners zu stören und Fehler zu provozieren; mit einem mal verlor auch der SC Freiburg Bälle in gefährlichen Zonen. Die erste gute Kölner Möglichkeit hatte Jhon Cordoba, der einen Kopfball nach einer Flanke von Kingsley Ehizibue knapp neben das Tor setzte (27.). Das Stadion war nun voll da, und drei Minuten später jubelten die Zuschauer in Müngersdorf zum ersten Mal.

Nach einer Ecke war Rafael Czichos zum Abschluss gekommen, den ersten Versuch wehrte Alexander Schwolow noch ab, beim Nachschuss von Sebastian Bournauw war der Freiburger Torhüter dann jedoch chancenlos. Es war bereits das vierte Saisontor des Innenverteidigers, das dritte in den vergangenen sechs Partien, der Belgier hat einen Lauf.

Unmittelbar vor der Pause fing Cordoba dann noch einen gruseligen Rückpass von Gulde ab, kam unbedrängt zum Abschluss, verfehlte den Torwinkel aber knapp (45.). nachdem Timo Horn kurz zuvor einen Schuss des Koreaners Changhoon Kwon abgewehrt hatte (43.). Es war nun eine Partie mit vielen interessanten Szenen in beiden Strafräumen. Aber diese schwer steuerbare Kraft, die die Fußballer gerne Spielglück nennen, war auf der Seite der Rheinländer.

In der 52. Minute hatte Köln Glück, dass es nach einem Ellenbogenhieb Ehizibues an den Kopf von Höler keinen Elfmeter für die Gäste gab. Und als Schwolow kurz darauf auf der anderen Seite einen eher harmlosen Schuss von Jonas Hector vor die Füße Cordobas prallen ließ, hatte der Kolumbianer keine Mühe, ein zweites Tor für den Abstiegskandidaten zu erzielen (55.). Das raubte dem SC den Glauben an einen Erfolg. Es fehlte die Energie, sich noch einmal ernsthaft aufzubäumen, weshalb die Kölner einen relativ entspannten Restnachmittag verbrachten. In der Nachspielzeit trafen dann auch noch Ehizibue und Ismail Jakobs zum 3:0 und zum 4:0 gegen eine Freiburger Mannschaft, die am Ende in sich zusammen fiel.