Saarbrücken wirft die „alte Liebe“ des eigenen Trainers raus

  • 29. Oktober 2019

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Dirk Lottner ist eine Klublegende beim 1. FC Köln. Das hindert den heutigen Trainer des 1. FC Saarbrücken nicht daran, die „alte Liebe“ mit seinem Team aus dem Pokal zu werfen. Der Regionalligaklub steht im Achtelfinale.

Nach dem Schlusspfiff mussten die blamierten Kölner auch noch diese Demütigung ertragen: „Viva Colonia“ ertönte aus den Stadionlautsprechern und die Spieler des 1. FC Saarbrücken tanzten dazu im Takt. Deren Trainer Dirk Lottner ging nach dem 3:2 (0:0)-Sieg, durch den er mit dem Spitzenreiter der Regionalliga-Südwest seinen Herzensverein in der zweiten Runde aus dem DFB-Pokal warf, lächelnd vom Rasen. „Wir genießen diesen Sieg und werden ein klein wenig feiern, aber nicht überdrehen“, sagte Lottner nach dem Coup. „Wir haben etwas Besonderes geschafft. Respekt für meine Mannschaft, auf die ich unheimlich stolz bin.“

Vor 6800 Zuschauern in Völklingen trafen am Dienstag Christopher Schorch (53. Minute), Gillian Jurcher (57.) und Tobias Jänicke (90.) für den Außenseiter, der für den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale seit sechs Jahren vom DFB eine Prämie von 702.000 Euro erhält. Jonas Hector (71.) und Simon Terodde (84.) konnten für den enttäuschenden Bundesliga-Aufsteiger vor dem Last-Minute-K.o. nur zwischenzeitlich ausgleichen.

Beierlorzer enttäuscht

„Ich bin maßlos enttäuscht und habe kein Verständnis dafür, wie wir die Gegentore bekommen haben“, schimpfte FC-Trainer Achim Beierlorzer. „Es war nicht okay, wie wir hier aufgetreten sind. Das war ein Rückschritt für uns.“ Ganz anders war die Gefühlslage beim Viertligisten. Matchwinner Jänicke träumte im Triumphgefühl sogar schon vom Finale. „In der nächsten Runde würde ich Dortmund und den Bayern gerne aus dem Weg gehen. Einen von denen will ich erst in Berlin“, sagte er. Lottner, der fünf Jahre für den FC spielte, hatte die Partie gegen Köln als „Bonusspiel“ bezeichnet – für seine Spieler, aber in gewisser Weise auch für sich selbst. Das Augenmerk gilt eigentlich nur dem angepeilten Drittliga-Aufstieg.

Von Beginn an hielt der Gastgeber dagegen und stellte Köln vor große Probleme. Die Rotation von Beierlorzer tat dem FC nicht gut. Gleich auf sechs Positionen veränderte der Coach sein Team, setzte im Sturm auf Jhon Cordoba und Anthony Modeste. Beide blieben blass. Die erste Chance hatten die Gastgeber. Kianz Froese (22.) verpasste den Ball vor FC-Torwart Timo Horn nur knapp. Vier Minuten später reagierte der Kölner Schlussmann bei einem Schuss von Froese glänzend. Die behäbig agierenden Gäste hatten nur eine Chance, doch Modeste (29.) scheiterte an Saarbrückens Torwart Daniel Batz.

Zur Pause nahm Beierlorzer den Stürmer raus. Wer eine Kölner Reaktion nach 45 Minuten biederem Fußball erwartet hatte, wurde überrascht. Saarbrücken drückte gleich aufs Tempo. Sebastian Jakob (46.) schoss aus fünf Metern über das Tor. Doch das Lottner-Team setzte nach und belohnte sich. Maskenmann Schorch traf per Kopf. Jurcher vollendete wenig später nach einem Konter. Ratlos stand Beierlorzer am Spielfeldrand. Der im Saarland aufgewachsene Hector blickte konsterniert, hatte aber noch eine Antwort. Sein Drehschuss sorgte für den Anschlusstreffer und läutete eine dramatische Schlussphase ein. Der eingewechselte Terodde glich aus, Saarbrücken schwanden die Kräfte, doch dann sorgte Jänicke mit seinem Tor doch noch für den Kölner K.o.