Überraschende Ideen

  • 20. Oktober 2019

Beitrag auf sueddeutsche.de von Milan Pavlovic

Dem 1. FC Köln gelingt der erste Heimsieg. Im ersten von vielen Duellen mit Abstiegskandidaten zeigt der FC seinen Trumpf im Vergleich mit der Konkurrenz.

Am Ende tanzte an der Seitenlinie nicht einmal mehr Steffen Baumgart, der unermüdliche Trainer des SC Paderborn. Er hatte aufgehört daran zu glauben, dass seine Elf die siebte Saisonniederlage noch abwenden könnte. Tatsächlich holte der 1. FC Köln durch ein 3:0 (1:0) den ersten Heimsieg der Saison und verließ damit die Abstiegsränge. Der große Verlierer des Spieltags im Keller ist Paderborn, denn Köln, Union Berlin und Düsseldorf gewannen, Augsburg punktete gegen den FC Bayern – und sogar der Vorletzte Mainz liegt schon fünf Punkte vor den Ostwestfalen.

In diesen Tagen ist Nostalgie angesagt, der Start des sechsten „Terminator“-Films steht an – und erinnert daran, wie vergänglich die Zeit ist. Bei der Premiere von Teil eins (1984) war der 1. FC Köln noch ein deutscher Vorzeigeverein. Als die erste Fortsetzung des Films herauskam (1991), schien der FC wenigstens noch ein unabsteigbares Bundesliga-Gründungsmitglied zu sein. Als mit Teil drei (2003) der künstlerische Verwesungsprozess einsetzte, war der Verein vom Rhein schon ein Fahrstuhlteam, das zwischen erster und zweiter Liga hin und her befördert wurde. Seitdem passt einer der Kernsprüche des Terminators („I’ll be back“) besser zum FC, als dem stolzen Klub lieb sein dürfte.

Nun mag zwar nicht einmal ein Viertel der Saison bewältigt sein, aber in der Abstiegsregion werden derzeit dank des Spielplans viele Weichen gestellt. Bis zum elften Spieltag gibt es sieben Kellerduelle von Teams aus dem unteren Tabellendrittel. Köln bekommt es dabei noch mit Mainz, Düsseldorf und Augsburg zu tun.

Kurioserweise hatten sowohl Köln als auch Paderborn ein ähnlich schweres Programm zum Start der Saison erwischt, fünf Gegner (FC Bayern, Wolfsburg, Schalke 04, Freiburg, Hertha BSC) waren sogar identisch. Während Köln dafür bedauert wurde (schließlich gab es die Spitzenklubs Dortmund und Gladbach als Bonus obendrauf), zog Paderborns Trainer Steffen Baumgart seinen Carramba-Fußball trotz aller Niederlagen stur durch und lamentierte nicht, obwohl sich sein Team viele Komplimente verdiente und vier Spiele bloß mit einem Tor Differenz verlor. Vielleicht baute der Aufsteiger am Sonntag auch darauf, dass er für den FC eine Art Angstgegner ist. Die Kölner hatten nur zwei von fünf Heimspielen gegen Paderborn gewonnen, zuletzt 2013 (3:0). In den vergangenen drei Aufeinandertreffen gab es für den FC 13 Gegentore, inklusive der in Köln weltberühmten Kernschmelze der vergangenen Zweitliga-Saison, als dem FC in den letzten zehn Minuten eine 2:0-Führung entglitt und Paderborn noch 3:2 triumphierte.

Köln war also auf Revanche aus. Die Elf startete an diesem feucht-finsteren Herbstnachmittag mit überfallartigen Aktionen und Pressing, offenbar zur Überraschung der Ostwestfalen. Nach zwei vergebenen Chancen landete in der neunten Minute nach einer Ecke ein unzureichend geklärter Ball vor den Füßen von FC-Torjäger Simon Terodde, der sicher abschloss. Doch danach begannen die Diskussionen – wohlgemerkt nicht auf dem Rasen, sondern im berüchtigten Kölner Keller, wo kontrolliert wurde, ob eine Abseitsstellung vorlag. Terodde hatte sich korrekt verhalten, keine Frage, aber hatte sein Mitspieler Bornauw aktiv ins Geschehen eingegriffen? Es dauerte drei Minuten, bis Schiedsrichter Manuel Gräfe das Signal bekam, das Spiel am Anstoßpunkt fortsetzen zu lassen – das Tor galt.

Danach war der Kölner Sturm und Drang aber gestört, das Team ließ sich immer weiter nach hinten drängen. Paderborn wurde von Steffen Baumgart gepuscht, der an der Seitenlinie im T-Shirt im kalten Nieselregen dirigierte. Seine Mannschaft wirkte aber weniger inspiriert und konnte von Glück sagen, dass Terodde in der 40. Minute nur den Pfosten traf.

Kölns Trainer Achim Beierlorzer vertraute der Elf, die sich zuletzt beim 1:1 auf Schalke beachtlich präsentiert hatte – also ohne die Sturm-Brecher Cordoba und Modeste, dafür mit Louis Schaub als Mann für die überraschenden Ideen im Mittelfeld. Das wurde spätestens in der 59. Minute belohnt. Nach dem schönsten Angriff des Tages über Hector und Schindler verwertete Schaub die präzise Flanke aus acht Metern per Kopf zum 2:0 – keinen Kölner interessierte es, dass Torwart Leopold Zingerle beim Abtauchen nicht den dynamischsten Eindruck hinterließ. Während Paderborn sich in die Niederlage fügte, kam Köln zu Chancen und einem Kopfballtor durch Bornauw (85.).

„Wir werden aber nicht die weiße Fahne hissen“, versprach Baumgart. Sonst würde es mit den Worten des Terminators bald „Hasta la vista, baby“ heißen.