Die Bayern ziehen die Zügel kurz an

  • 5. Mai 2018

Beitrag auf faz.net von Christian Kamp

Im Duell des Absteigers mit dem Meister geht Köln in Führung durch ein Eigentor eines Münchners. Doch später drehen die Bayern die Partie. Für den FC ist es dennoch ein gelungenes Bundesliga-Tschö.

Beim letzten Aufeinandertreffen dieser Art waren düstere Wolken durchs Kölner Stadion gezogen. Der damalige Abstieg des FC, auf den Tag genau vor sechs Jahren, besiegelt durch eine Niederlage gegen den FC Bayern, hatte verstörende negative Energien freigesetzt, es herrschten Aggression und Untergangsstimmung. An diesem Samstag, beim Kölner Bundesliga-Tschö vor heimischem Publikum, war davon nichts zu spüren.

Was nicht nur mit der lange Zeit höchst lebendigen Vorstellung beim 1:3 gegen den Meister aus München zu tun hatte – Köln ging durch ein Eigentor von Niklas Süle sogar in Führung (30. Minute), ehe die Bayern das Blatt durch James (59.), Robert Lewandowski (61.) und Corentin Tolisso (78.) noch wendeten. Sondern auch damit, dass der Gang in die zweite Liga schon vorher Gewissheit war. Und mit dem Kölner Kunststück, diesen sechsten Bundesliga-Abstieg nahtlos in einen Aufbruch münden zu lassen – dokumentiert durch die Bekenntnisse namhafter Profis zum Effzeh.

Die „Kölsche Treuka“ mit Horn, Hector und Höger zierte den Titel des „Geißbockechos“, der Vierte im Bunde, Risse, wurde noch nachgetragen. Gelassenheit, ja fast Heiterkeit, lag über dem Stadion – wenngleich die Fanszene des FC ihren Disput mit der Klubführung weiter auslebte. Die Mannschaft indes wollte sich würdig verabschieden. Nach einer halben Stunde schien sie schon alle Varianten, beste Torchancen auszulassen, durchgespielt zu haben, drei Mal durch Terodde, je einmal durch Clemens und Risse. Dann kam Süle zu Hilfe, der dem Ball nach einer Hereingabe von Clemens den entscheidenden Drall gab. Jupp Heynckes rotierte nach dem Königsklassen-Aus gegen Madrid moderat, ließ Rafinha, Rudy, Martinez und den 17 Jahre alten Evina für Alaba, Thiago, Tolisso und Ribery beginnen, der Blick geht ja weiter nach vorn, Richtung Pokalfinale. In der ersten Hälfte sorgten zwei Kopfbälle von Lewandowski für Gefahr, doch ins Tor wollte der Ball mal wieder nicht, weil Schlussmann Horn etwas dagegen hatte.

Nach der Pause kam Thiago für Evina, die Bayern entwickelten mehr Druck, und die Kölner Konzentration ließ nach. James brach den Bann, und keine zwei Minuten später jubelte auch Lewandowski. In der Schlussphase wurde FC-Trainer Ruthenbeck in seinem letzten Heimspiel von Schiedsrichterin Steinhaus auf die Tribüne geschickt, Tolisso erhöhte für die Bayern. Noch einmal hoffte der FC auf den Videobeweis, nachdem Pizarro im Strafraum zu Fall gekommen war. Doch mit dem Kölner Keller haderten die Kölner Profis in dieser Saison bis zum bitteren Ende.