Köln steigt ab und die Fans singen trotzdem

  • 28. April 2018

Beitrag auf sueddeutsche.de von Christoph Ruf

  • Der 1. FC Köln steigt nun endgültig ab – obwohl gegen den SC Freiburg zwischendurch rechnerisch sogar der Klassenerhalt möglich war.
  • Köln war bis zum Anschlusstreffer zum 2:2 harmlos gewesen, hatte aber in der Schlussphase sogar noch die Chance auf die Führung durch Claudio Pizarro vergeben (90.).
  • Die Gästekurve intonierte dennoch eine Hymne auf den Zusammenhalt.

Einen Steinwurf von der Freiburger Haupttribüne entfernt befindet sich eine Kneipe, die bei Heimspielen Hunderte Menschen mit gutem Bier und schlechter Musik versorgt. Am Samstag lief im von beiden Fanlagern gerne besuchten Biergarten ein Lied immer wieder, dessen Refrain man eigentlich auch als Affront gegenüber den FC-Fans hätte interpretieren können: „Da simmer dabei, das ist prima…“

Gut drei Stunden später stand fest, dass der 1. FC Köln nicht mehr dabei ist in der ersten Liga – beziehungsweise mal wieder dabei in der zweiten. Das fand man im Kölner Lager alles andere als prima, auch wenn der ein oder andere Spieler erklärte, bereits in der Woche zuvor – nach dem 2:2 gegen Schalke – gewusst zu haben, dass es kaum noch eine Chance auf den Klassenerhalt geben würde. Nun, nach einer 2:3-Niederlage, die vom Spielverlauf her tatsächlich das „i-Tüpfelchen auf eine verkorkste Saison war“, wie Keeper Timo Horn fand, kann der FC definitiv für die zweite Liga planen.

Horn sah mal wieder mitgenommen aus nach einem Nachmittag, bei dem der FC binnen fünf Minuten noch einmal ein Spiel spannend machen konnte, das Freiburg eigentlich bereits für sich entschieden zu haben schien. Nachdem Kölns Leonardo Bittencourt die Freiburger 2:0-Führung mit zwei Toren dank gnädiger Mithilfe der SC-Abwehr ausgeglichen hatte (82./87.), war rechnerisch plötzlich wieder der Klassenverbleib möglich.

„Brutal“, fand diese Torfolge nicht nur der Freiburger Mike Frantz. Und es war recht nah an der Realität, als er nachschob, dass „es schon nach der ersten Halbzeit fünf- oder sechs-zu-null für uns hätte stehen können.“ Köln war bis zum Anschlusstreffer harmlos gewesen, hatte aber in der Schlussphase sogar noch die Chance auf die Führung durch Claudio Pizarro vergeben (90.). Zu zwei Freiburger Treffern hatte es immerhin gereicht, Nils Petersen hatte in der 14. Minute per Kopf getroffen und in der 52. Horn zum 2:0 aussteigen lassen. 

Die Kölner Fans verabschieden die Mannschaft mit Applaus

Doch das waren nicht die einzigen beiden Gründe zur Zufriedenheit fürs zuletzt so gepeinigte Freiburger Publikum. Denn ihre Mannschaft, die zuletzt in sechs Spielen am Stück nur ein Tor erzielt hatte, präsentierte sich über 90 Minuten offensivfreudig und hatte noch viele weitere Chancen. Die größte vergab Christian Günter, der nach einem Foul an Petersen mit einem Elfmeter an Horn scheiterte (23.). Die zweitgrößte veredelte Lucas Höler zum 3:2-Endstand, als er eine Hereingabe von Robin Koch aus wenigen Zentimetern Entfernung über die Linie drückte. Kapitän Julian Schuster fühlte sich an das Hinspiel erinnert. Denn das war ähnlich dramatisch verlaufen. Damals, im Dezember, holte der Sportclub einen 0:3-Rückstand auf und gewann am Ende 4:3. „In der Summe beider Spiele waren wir die glücklichere Mannschaft“, sagte SC-Trainer Christian Streich. „Aber bei allem Respekt vor Köln: heute waren wir auch die bessere Mannschaft.“

Das sah auch Kollege Ruthenbeck nicht anders, der sich beim mitgereisten Kölner Anhang bedankte. Statt Pfiffen oder Schmähungen hatten die Fans die Mannschaft mit Applaus aus der ersten Liga verabschiedet, was wohl auch an den Meldungen unter der Woche lag: Nationalspieler Jonas Hector und Torwart Horn haben ihre Verträge verlängert, weitere Treuebekenntnisse würden folgen, deutete Horn im TV-Interview nach dem Spiel an – und versprach die Rückkehr in die erste Liga. Und Ruthenbeck, dessen Platz in der kommenden Saison der Kieler Trainer Markus Anfang einnehmen wird, sagte, der FC sei „mit Würde abgestiegen“.

Kölsches Liedgut ertönte am Samstag nämlich auch noch nach der Partie. Die Gästekurve intonierte den Klassiker „En unsrem Veedel“, eine Hymne auf den Zusammenhalt. Es war eine Geste, die den gebürtigen Kölner Horn erkennbar bewegte. Er sagte: „So etwas gibt es in Fußball-Deutschland nur ein Mal.“